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atme



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Sie lag im Wasser. Warm und weich umhüllte es ihren Körper.

Mit den Armen hielt sie das Gleichgewicht,  ihre Augen folgten den kleinen Wellen, die sanft ihren Bauch bedeckten und ihre Brüste berührten. Sie konnte dem flimmernden Lichtspiel des Kerzenscheins auf der Wasseroberfläche nicht widerstehen und ihre Augen entspannten sich. Die Farben verschwammen zu einem Meer aus Gold. Sie ließ den Kopf sinken und tauchte ein, ließ sich von der warmen Geschmeidigkeit des Wassers verführen.

Je tiefer sie sank um so stärker wurde das Gefühl der Geborgenheit und die Stille machte alles außerhalb des Körpers unglaubwürdig. Ihr kopf war leer, kein Gedanke an das, was da draußen war. Alles schien weit weg. Nie wieder auftauchen.

Seltsam, das entspannte Gefühl in ihrer Lunge. Sie wartete auf den Drang, Luft zu holen. Zeit verschwamm. Nie wieder auftauchen. Alles vergessen. Kein Schmerz, keine Sehnsucht, keine Einsamkeit, keine Scham etwas verbotenes zu wollen, aus ganzem Herzen zu wollen, was man nicht haben kann. Keine Bewegung mehr.

Das Wasser blieb still. Ihr Körper lag darin, schwebend, umhüllt von grüner Dunkelheit.

Eine winzige Luftblase löste sich aus ihrem Haar, kroch vorsichtig an ihrem Hals entlang in Richtung Oberfläche.

Gänsehaut.

Ihre Augen öffneten sich.
Wie verloren sah sie den weißen Punkt in einem Geflimmer aus grün und orange immer kleiner werden. Ihr Körper zuckte zusammen, als er an der Wasseroberfläche zerplatzte. Der Druck in ihrer Lunge kam, zog sie hoch, Schmerz. Das Grün wurde weiß. Mit der Luft die in ihre Lunge strömte kamen die Erinnerungen zurück. Einsamkeit, Scham.

Müde schwamm sie zum Rand des Beckens, hob sich mit Schwung aus dem Wasser und ließ den nassen Körper auf den Fliesenboden sinken. Ihre Brust hob und senkte sich in tiefen langsamerwerdenden Bewegungen. Fingerspitzen berührten die flache Pfütze neben ihrem Köper. Die rechte Hand ruhte sanft auf dem Becken, fühlte mit den  Fingern die gleichmäßigen Bewegungen ihres Bauches.

Sehnsucht schloss ihr die Augen, schwer. Bilder drückten auf sie ein, dunkel, vernebelt durch den Atem des warmen Wassers, dass immer noch aufgewühlt vor ihr lag. Sie schwindelte, ließ die Hände über den Körper gleiten als suche sie Halt vor der verführerischen Hitze die langsam vom Herzen aus ihr inneres einnahm, eingeschlossen von kalter Haut.

Wie immer ein Gedanke. Die eine Frage, unbeantwortet, für immer? IHRE Haut. Wie fühlt sie sich an? Wie schmeckt sie? Wie berührt man SIE?

Wassertropfen folgten den nassen Linien ihrer Lippen, öffneten sie, erfanden ihren Willen berührt zu werden. Auf wellenbewegter Haut trafen, verbanden sie sich und streiften ihre Brust, ohne ein Geräusch. Eine Handfläche hielt sie auf, als sie den tiefste Punkt des Körpers zu erreichen versuchten. Ein Beben, ein Zittern trennte sie.

Laut hob sie sich den Händen entgegen, deren Berührung sie so sehnsüchtig erwartete, die sie sehen konnte ohne die Augen zu öffnen. Sie hinterließen keine Spur, sie verwandelten nur Trauer und Einsamkeit in Lust. Sie spürte das kribbelnde aufreizende Gefühl zwischen ihren Beinen als ihre eigenen Hände zaghaft zu ertasten begannen.

Es kam keine Befriedigung, sondern Verlangen, von IHREN Lippen, IHRER Zunge berührt zu werden, ohne sich auf die Phantasie konzentrieren zu müssen. Ihre Hände wurden warm, zärtlich, böse, fanden ihren gewohnten Rhythmus der schneller war als alles Atmen und Stöhnen, dass sie nur noch von weitem vernahm. Sie unterbrach, zögerte, immer wieder, immer weiter, steigerte das Verlangen nach dem Ende ins unerträgliche. 

Sie suchte IHREN Körper, Lippen, Hals, Brüste, und fand nur die eigenen, zu bekannt, auswendig. Zu stark das Bewusstsein dass es nur die eigenen Hände waren, die eigene Haut, der eigene Wille, kein Kompromiss, keine Unterwerfung, kein Sieg. Nur sie. Schneller, immer schneller wurden ihre Hände, immer ferner der Schmerz. Kein Gedanke mehr. Nur noch ein Wille, der alle Bewegungen beherrschte.

Und dann Leere.

Eine letzte Welle erfasste ihren Körper bevor es still wurde. Wasserperlen an ihren Wangen mischten sich mit salzigen Tränen. Immer noch.  

  • posted by felice, 04/20/05 · 06:57 in Text








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